Name der Stadt oder Gemeinde
Stadt Lahr/Schwarzwald-> www.lahr.de

Einwohnerzahl
44884 (Stat. Landesamt Baden-Württemberg, 31.12.2015)

Landkreis
Ortenau

Regierungsbezirk
Freiburg

Name und Adresse der Kontaktperson für den Kommunalen Flüchtlingsdialog:
Stadt Lahr
Amt für Soziales, Schulen und Sport
Ansprechstelle Flüchtlingsfragen
Sophia Stappel
Friedrichstr. 7
77933 Lahr/Schwarzwald

Telefon der Kontaktperson
07821/ 3273923

E-Mail der Kontaktperson
sophia.stappel@lahr.de

Bitte beschreiben Sie kurz die Zielsetzung, das Format und die methodische Umsetzung des Flüchtlingsdialogs.

Durchführung am 11. Februar 2017, 9:30 Uhr - 15:00 Uhr

Zielsetzungen:

  • Flüchtlinge, Lahrer BürgerInnen und Akteure aus der Flüchtlingsarbeit miteinander ins Gespräch bringen.
  • Perspektivwechsel ermöglichen.
  • Erkennen, wo aktuell Probleme und Herausforderungen bestehen.
  • Auseinandersetzung mit Erwartungen und Problemlagen der unterschiedlichen Personengruppen: Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich Geflüchtete, Anwohner, Behördenvertreter und  ehrenamtliche Helfer konfrontiert?
  • Ideen, Maßnahmen bzw. Strukturen zu den drei Themenfeldern: Leben (Kultur & Religion, Identität & Sprache), Wohnen (v.a. Anschlussunterbringung) und Integration in Ausbildung und Arbeit entwickeln.

Umsetzung und Format:
Ab 9.30 Uhr gab es Kaffee, Tee und Hefezopf zur Begrüßung der TeilnerhmerInnen, ein erstes Kennenlernen und Ankommen war möglich. Oberbürgermeister Dr. Müller eröffnete dann um 10:00 Uhr die Veranstaltung. Zu Beginn gaben verschiedene Akteure der Integrations- und Flüchtlingsarbeit einen Überblick über die aktuelle Situation in Lahr (Zahlen, Akteure, Angebote, bisherige Erfahrungen, etc.). Anschließend wurden die Teilnehmenden selbst aktiv in den darauf folgenden drei Workshops mit den Themen:
1. Kulturelles und soziales Zusammenleben
2. Wohnen als zentraler Bestandteil der Integration
3. Integration in Ausbildung und Arbeit
Ziel war es, in der Begegnung verschiedene Sichtweisen auszutauschen, Handlungsbedarfe zu erkennen und konkrete Ideen für weitere Maßnahmen zu entwickeln. Verschiedene Experten zu den einzelnen Themengebiete waren vor Ort und moderierten die Workshops.
Bei einem abschließenden gemeinsamen Mittagessen gab es die Möglichkeit, mit den verschiedenen AnsprechpartnerInnen und TeilnehmerInnen persönlich ins Gespräch zu kommen.

Was war in Ihrer Kommune der konkrete Anlass für die Durchführung eines Flüchtlingsdialogs? Welche Ausgangssituation fanden Sie vor?

Die Stadt Lahr hat seit Herbst 2015 mit einer zentralen Ansprechstelle für Flüchtlingsfragen rechtzeitig Strukturen geschaffen, um die neuen Aufgaben, die sich mit dem Zuzug von geflüchteten Menschen nach Lahr ergeben, zu bewältigen. Durch ein entsprechendes Netzwerk von Hauptamtlichen in der Flüchtlingsarbeit und in Kooperation mit vielen ehrenamtlichen HelferInnen werden neue Integrationshilfen und Unterstützungsangebote geplant und realisiert. Standen 2015 und Anfang 2016 insbesondere Fragen rund um die Erstversorgung in Gemeinschaftsunterkünften im Vordergrund, so ergeben sich mit der sinkenden Zahl an neu ankommenden Flüchtlingen und der aufenthaltsrechtlichen Anerkennung vieler Geflüchteter mit Bleibeperspektive neue Fragestellungen, z.B. im Zusammenhang mit dem Auszug aus der Erstunterkunft und der Wohnungssuche unter Berücksichtigung der Wohnsitzauflage. Für die kommunale Flüchtlingsarbeit in Lahr bedeutet dies neue Herausforderungen und Veränderungen der Aufgabenstellungen. Wesentliche Handlungsfelder ergeben sich rund um die Integration der geflüchteten Menschen in den Alltag und die Gesellschaft. Die Wohnungs- und Arbeitssuche, Integration in Schule und Ausbildung sowie der Spracherwerb sind hierbei zentrale Schlüsselthemen.
Der Kommunale Flüchtlingsdialog war eine ideale Möglichkeit diese Themen verantwortungsbewusst und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern (mit und ohne Fluchtgeschichte) der Stadt Lahr zu diskutieren und anzugehen.

Wer hat diese Aufgaben übernommen? Für welche Aufgaben haben Sie Beratungs- und Moderationsleistungen in Anspruch genommen?

Die Gesamtmoderation der Veranstaltung hat Carla Schönfelder von team ewen übernommen.

Folgende Leistungen wurden erbracht:
Konzeptionelle Vorbereitung:

  • Teilnahme und Moderation bei einem der beiden Vorbereitungstreffen des Planungsteams.
  • Entwurf eines Veranstaltungskonzepts (Zielsetzung, Ablauf, Methoden) im Nachgang des Gesprächs
  • Abstimmung des Konzepts und Erstellung eines Detailablaufs
  • Absprache (Mail und telefonisch) mit Kontaktperson

Moderation der Veranstaltung:

  • Moderation der Veranstaltung mit einer Hilfskraft (Dokumentation, Fotos usw).
  • Zur Verfügungstellen von Moderationsmaterialien (außer Stellwände)

Dokumentation der Veranstaltung (noch nicht abgeschlossen)

  • Erstellen einer Fotodokumentation mit zentralen Ergebnissen
  • Aufarbeitung von Gruppenergebnissen (z.B. Abschrieb von Wänden)
  • Abstimmung der Dokumentation

Welche Themen wurden im Flüchtlingsdialog diskutiert und bearbeitet?

    1. Kulturelles und soziales Zusammenleben
    1a) Religion und Weltanschauung
    1b) Begegnung im Alltag
    1c) Leben in der Gemeinschaftsunterkunft
    1d) Kunst und Kultur
    1e) Leben mit Fluchterfahrung
    1f) Sprache als Schlüssel zur Integration
    2. Wohnen als zentraler Bestandteil der Integration
    2a) aktuelle Information und Diskussion über Anschlussunterbringung in Lahr
    2b) Wie kann neuer Wohnraum geschaffen werden?
    3. Integration in Ausbildung und Arbeit

Bitte nennen Sie die Teilnehmergruppen und die Anzahl der Personen, die an dem Flüchtlingsdialog teilgenommen haben.

An der Veranstaltung hatten sich 147 Personen angemeldet. Einige kamen nicht, andere nahmen unangemeldet teil. Es hat uns sehr gefreut, dass ca. 40 Personen mit aktueller Fluchterfahrung teilgenommen haben.
Teilnehmende Expertinnen und Experten waren unter anderem (in alphabetischer Reihenfolge):
Amt für Soziales, Schulen und Sport, Stadtverwaltung Lahr; Ansprechstelle Flüchtlingsfragen, Stadtverwaltung Lahr; Caritasverband Lahr e.V.; Deutsches Rotes Kreuz; Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau; in Lahr lebende Flüchtlinge und Asylbewerber; Freundeskreis Flüchtlinge Lahr; Industrie- und Handelskammer Freiburg; Integrationsbeauftragter der Stadt Lahr; Interkultureller Beirat der Stadt Lahr; Kommunale Arbeitsförderung Lahr; Mehrgenerationenhaus Lahr; Neue Arbeit Lahr; Rechts- und Ordnungsamt, Stadt Lahr; Sozialdienst für Flüchtlinge Landratsamt Ortenaukreis; Volkshochschule Lahr; verschiedene Arbeitgeber der Region Lahr.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf der Dialogveranstaltung(en)? (Format, Struktur, Moderation, Transparenz, fairer und respektvoller Umgang, Informationsmaterial etc.)

Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Dialogveranstaltung(en)? (Diskussionsqualität, Erkenntnisse, Ergebnisse, anderer Mehrwert etc.)

Im Großen und Ganzen sind wir mit dem Ablauf der Veranstaltung sehr zufrieden.
Das Format war sehr gut mit unterschiedlichen Akteuren entwickelt und passend für den Anlass. Die Struktur war auf 80-100 Leute ausgerichtet. Am Ende nahmen 150 Personen teil, was zu zwei überfüllten Workshops führte.
Moderation: war zum Teil sehr anspruchsvoll, da bis zu 60 Personen in einem Workshop saßen, davon einige mit Dolmetschern. Ansonsten wurde diese wichtige Aufgabe von allen beteiligten kompetent übernommen und ausgeführt. Der Umgang mit Dolmetschern ist ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad für ModeratorInnen.
Fairer und respektvoller Umgang: wurde von einigen TeilnehmerInnen in einem Workshop als mangelhaft empfunden. Aus allen anderen Workshops haben wir nur positive Rückmeldung bekommen.
Informationsmaterial: War vorhanden.

Mit den Ergebnissen des Dialogs, welche von den TeilnehmerInnen erarbeitet wurden, sind wir sehr zufrieden.
Diskussionsqualität: Abhängig von Workshop
Erkenntnisse: werden in einem Austauschtreffen von ModeratorInnen, Planungsteam und einzelnen Teilnehmenden Mitte März evaluiert.
Ergebnisse: werden in selbigem Austauschtreffen Mitte März zusammengetragen.
anderer Mehrwert: Begegnung und persönliche Kontakte sind entstanden. Hierfür war besonders das gemeinsame Mittagessen am Ende der Veranstaltung hilfreich und wichtig.

Nennen Sie drei wichtige Ergebnisse bzw. konkrete Maßnahmen, die im Flüchtlingsdialog erarbeitet wurden.

Wie schätzen Sie die Wirkung des Flüchtlingsdialogs ein: Werden die Ergebnisse des Flüchtlingsdialogs in Ihrer Kommune zu weiteren Handlungen bei Akteuren aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft führen? Welche konkreten Schritte wurden dazu vereinbart?

Projektideen:

  • Dialog der Religionen
  • Bildung eines Netzwerks für VermieterInnen
  • Forum: "Das ist meine Lebensgeschichte" (Austausch über unterschiedliche Biografien der Menschen in Lahr)


Wir gehen stark davon aus, dass beteiligte Akteure neue Ideen umsetzen werden. Es war möglich, dass Experten und Laien ins Gespräch kamen und so neue Kontakte zwischen diesen Personengruppen entstehen konnten. Wir gehen davon aus, dass auf diesen Wegen stärkerer Austausch stattfinden wird.

Konkret wurde vereinbart, dass die Dokumentation der Veranstaltung an alle TeilnehmerInnen verschickt wird. Die Ergebnisse werden in den bereits bestehenden Gremien und Gruppen, in denen Akteure aktiv sind, diskutiert und ggf. ausgearbeitet.

Wie hoch schätzen Sie die in Ihrer Kommune entstandenen Kosten für Organisation und Durchführung der Flüchtlingsdialoge ein? (Beratungs- und Moderationskosten, Sachmittel etc.)

Stehen Aufwand und Ergebnis in einem guten Verhältnis?

Beratungs- und Moderationskosten: 2.300 €
Sachmittel: 2.300 €
Nacharbeitung: 100€

Aufwand und Ergebnisse stehen in einem guten Verhältnis.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie, insbesondere auch im Hinblick auf die Rahmenbedingungen?

  • klarere Organisation der Übersetzung während der Veranstaltung
  • Intensiveres Briefing der Moderatoren (bei großen Workshopgruppen bis zu 60 Personen + Dolmetschern)
  • Informations-Input beim Workshop Arbeit
  • genügend Zeit für Aufbau des Veranstaltungsortes
  • Begrüßung durch Hauptorganisatorin: Ziele der Veranstaltung: was wird möglich sein, was nicht
  • Vorstellung anwesender Experten in Workshops