Name der Stadt oder Gemeinde
Stadt Meckenbeuren-> www.meckenbeuren.de

Einwohnerzahl
13500

Landkreis
Bodensee

Regierungsbezirk

Name und Adresse der Kontaktperson für den Kommunalen Flüchtlingsdialog:
Julia Frey

Theodor-Heuss-Platz 1

88074 Meckenbeuren

Telefon der Kontaktperson
0151 / 11781114

E-Mail der Kontaktperson
j.frey@meckenbeuren.de

Bitte beschreiben Sie kurz die Zielsetzung, das Format und die methodische Umsetzung des Flüchtlingsdialogs.

Durchführung am Samstag, 10.12.2016 von 10-17 Uhr

  • Mit geflüchteten Menschen ins Gespräch kommen, gegenseitige Erwartungen ansprechen
  • Austausch über Aktivitäten zwischen Akteuren ermöglichen, Synergien für die zukünftige Zusammenarbeit Hauptamt-Ehrenamt nutzen
  • neue Menschen für ehrenamtliche Tätigkeit gewinnen
  • konkrete Herausforderungen zu Handlungsfeldern benennen und priorisieren

Tagesveranstaltung mit vier, vorab von einer Steuerungsgruppe erarbeiteten Themen, Themenfeldern im World Café und darauf folgende Arbeitsphasen. Ein Thema wurde offen gelassen als weitere Option.

Was war in Ihrer Kommune der konkrete Anlass für die Durchführung eines Flüchtlingsdialogs? Welche Ausgangssituation fanden Sie vor?

Meckenbeuren hat eine Turnhalle als Notunterkunft und zwei Gemeinschaftsunterkünfte, sowie mehrere Anschlussunterkünfte. Der Helferkreis wurde in den letzten Monaten, nachdem die erste Not der Flüchtlinge gestillt wurde, immer kleiner. Die Ehrenamtlichen berichten nach und nach mehr von frustrierenden Begegnungen oder Erlebnissen und die Motivation schwindet.

Den Dialog wollte ich nutzen, um die Menschen gegenseitig in einen Dialog zu bringen. Was genau brauchen die Flüchtlinge nun noch von uns? Was interessiert sie? Die Möglichkeit, durch den Dialog gegenseitig ein interkulturelles Verständnis zu entwickeln. Warum ist es uns Deutschen zum Beispiel so wichtig, Termine und Zeit einzuhalten?

Zudem war das Thema Bildung und Schule ein sehr dominantes und immer wieder aufkommendes Thema, zu dem es einigen Klärungsbedarf und neue Visionen gab.

Mir persönlich war es wichtig, einmal die Möglichkeit zu bekommen, die Gemeinde zu hören. Was sie brauchen, was die einzelnen Parteien wie Vereine, Kirche oder Flüchtlinge sich in der Gemeinde wünschen und brauchen.

Wer hat diese Aufgaben übernommen? Für welche Aufgaben haben Sie Beratungs- und Moderationsleistungen in Anspruch genommen?

Dr. Thomas C. Uhlendahl, Lettenweg 12, 79111 Freiburg, 0179 ( 2084696, info@memo-u.de

Es gab eine Vor- und Nachbesprechung des Dialogs, in der Herr Dr. Uhlendahl uns begleitet und moderiert hat.

Während des Dialogs gab es insgesamt 5 Themenfelder, die jeweils mit einem Moderator und einem Gastgeber besetzt waren. Die Moderatoren an den jeweiligen Tischen führten durch diesen gesamten Tag. So konnte der Gastgeber selber Teil der Gruppe und des Prozesses sein und sich auf die Teilnehmer konzentrieren.

Welche Themen wurden im Flüchtlingsdialog diskutiert und bearbeitet?

  • Sprache und Bildung
  • Förderung und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements
  • Begegnung, Austausch und Kontakt
  • Kooperation, Vernetzng, Informationsflüsse
  • Wohnen und Unterkunft

Bitte nennen Sie die Teilnehmergruppen und die Anzahl der Personen, die an dem Flüchtlingsdialog teilgenommen haben.

Ca. 95 Personen sowohl aus der Verwaltung (Gemeinde, Landratsamt) als auch aus den Helferorganisationen sowie weiteren Akteurs-Gruppen der Flüchtlingsarbeit sowie über 40 geflüchtete Menschen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf der Dialogveranstaltung(en)? (Format, Struktur, Moderation, Transparenz, fairer und respektvoller Umgang, Informationsmaterial etc.)

Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Dialogveranstaltung(en)? (Diskussionsqualität, Erkenntnisse, Ergebnisse, anderer Mehrwert etc.)

Ich bin sehr zufrieden mit der Struktur der Veranstaltung. Durch die Vorbesprechung habe ich das Gefühl gehabt, dass der Dialog nun nicht nur von mir aus gesteuert kommt, sondern auch von vielen verschiedenen Bereichen der Gemeinde. Auch die Themenwahl blieb so frei zur Verfügung. Währende des Dialogs wahr durchgehend ein wohlwollender und respektvoller Umgang miteinander. Vielleicht auch deshalb, weil wir es nicht geschafft haben, die kritischen Stimmen für den Dialog zu gewinnen, was wir aus Seiten der Gemendeverwaltung sehr schade fanden. Im nachhinein finde ich die Balance der Zeit sehr schwierig zu finden. Zum einen hat die Zeit, ob bei der Vorbereitung oder im Dialog, nicht ausgereicht, um alle Beteligten zufrieden nach Hause gehen zu lassen und andererseits sind viele nicht bereit, einen ganzen Tag zu investieren.

Trotzdem bin ich mit vielen neuen Anregungen und Ideen aus dem Tag gegangen. Viele neue Aufträge können nicht umgesetzt werden oder sind ganz deutlich Zukunftsvisionen, doch sind auch dazwischen viele gute und umsetzbare Aufträge platziert worden. Zudem gab es immer wieder den Aha-Effekt während des Dialogs, als man sich gegenseitig Erfahrungen austauschte und von seiner Herkunft oder Bräuchen berichtete. Die Menschen, die an dem Dialog teilgenommen haben, haben auf jeden Fall vieles für sich mitnehmen können und es war der erste Baustein eines neuen gemeinsamen Weges. Es gab Abmachungen und gemeinsame Ziele und in den nächsten Monaten wird man sehen, ob  diesen auch Taten folgen.

Nennen Sie drei wichtige Ergebnisse bzw. konkrete Maßnahmen, die im Flüchtlingsdialog erarbeitet wurden.

Wie schätzen Sie die Wirkung des Flüchtlingsdialogs ein: Werden die Ergebnisse des Flüchtlingsdialogs in Ihrer Kommune zu weiteren Handlungen bei Akteuren aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft führen? Welche konkreten Schritte wurden dazu vereinbart?

Wöchentliches Begegnungskaffee:

  • Suche der neuen Räumlichkeit, in der das Kaffee stattfinden kann
  • Flüchtlinge mit ins Boot holen und konkrete Auftgaben verteilen
  • Fördermittelantrag stellen, um ein attraktives Programm zu gestalten, damit mehr Bürger dazu kommen.

Runder Tisch Asyl:

  • um die Vernetzung und Informationsflüsse besser zu gestalten, werden alle wichtigen Bausteine der Gemeinde an einen Tisch geholt
  • Einladung aller Beteiligten
  • mit Flüchtlingen in den Dialog treten, ob und wie sie sich dort beteiligen wollen (Flüchtlingsbeirat...)

Schwarzes Brett:

  • Klärung mit dem Ehrenamt, wer dieses mit pflegt
  • Platz bestimmen und Brett mit Fächern usw. anbringen
  • Bekanntgabe und Erklärung des Brettes in den Gemeindenachrichten
  • Info an Flüchtlinge, wo nun der Standort ist

Ich bin mir nicht sicher, in wieweit diese Veranstaltung Auswirkungen auf die Gemeinde hat. Dies wird man in etwa einem Jahr feststellen können. Doch bin ich guter Dinge, dass durch die bessere Vernetzng und Informationsflüsse die Zivilgesellschaft sich mehr ins Boot geholt fühlt und sich dadurch eventuell auch mehr beteligt. Dazu müssten jedoch auch alle wichtigen Akteure motiviert sein, zu den Treffen des Runden Tisches "Asyl" zu kommen und die Informationen weiter tragen.

Auf der anderen Seite bin ich auch sehr gespannt, was der Dialog bei den neu zugewanderten Menschen bewirkt hat.

 

 

 

 

Wie hoch schätzen Sie die in Ihrer Kommune entstandenen Kosten für Organisation und Durchführung der Flüchtlingsdialoge ein? (Beratungs- und Moderationskosten, Sachmittel etc.)

Stehen Aufwand und Ergebnis in einem guten Verhältnis?

Die entstandenen Gesamtkosten des Dialogs sind in etwa 7.000 Euro.

Der Gesamtaufwand ist sehr hoch, jedoch steht er meiner Menung nach durch die große Förderung von 5000 Euro absolut in einem guten Verhältnis zum Gewinn für die Gemeinde.

Ich hoffe, es greifen noch viele Gemeinden auf diese Möglichkeit und Grundbausteine der Integrationsarbeit zurück und stellen einen Antrag auf die Fördermittel. Es ist eine Bereicherung für die, die ehrenamtlich engagiert sind oder Interesse an dem Thema Flüchlinge haben, die in der Verwaltung zu diesem Thema tätig sind, die Flüchtlinge selber und wäre vor allem wichtig für die, die Bedenken und Ängste in sich tragen.

 

 

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie, insbesondere auch im Hinblick auf die Rahmenbedingungen?

Ich kenn mich nicht gut aus, was das Honorar von Beratern und Moderatoren angeht. Jedoch geht eine solche Veranstaltung nicht ohne Fördermittel, da die Beraterkosten das Budget einer kleinen Gemeinde absolut überschreiten.

Ich würde das nächste Mal die Gruppe zur Vorbesprechung teils gezielt einladen, aber auch ein paar Plätze frei lassen und durch die Zeitung und Gemeindeblatt bekannt geben.

Am Dialog selber würde ich Nachmittags nicht mehr die Themenfelder wechseln lassen, damit man mal tiefer an den jeweiligen Themen arbeiten und konkreter planen kann.

Ich finde die Anträge und die Nachbearbeitung absolut angemessen und passend. Zudem hat man durch die direkten Ansprechpartner immer schnell eine Antwort und Unterstützung auf seine Fragen erhalten.

Die Möglichkeit der Erhöhung der Fördermittel kann einen Dialog retten (wie in meinem Fall). Vielen Dank.!