Name der Stadt oder Gemeinde:
Ostfildern -> www.ostfildern.de

Einwohnerzahl:
39.000

Landkreis:
Esslingen

Regierungsbezirk:
Stuttgart

Name und Adresse der Kontaktperson für den Kommunalen Flüchtlingsdialog:
Andrea Koch-Widmannl
Stadt Ostfildern
Gerhard-Koch-Str. 1 
73760 Ostfildern

Telefon der Kontaktperson:
0711 - 3404-156

E-Mail der Kontaktperson:
a.koch-widmann@ostfildern.de

Bitte beschreiben Sie kurz die Zielsetzung, das Format und die methodische Umsetzung des Flüchtlingsdialogs.

Durchführung am: Freitag, 30. Juni, 16 bis 21 Uhr

Mit den Ostfilderner Gesprächen wollten wir Menschen ermuntern sich zu beteiligen. Deshalb wurden nach dem Zufallsprinzip (repräsentative Stichprobe nach Alter ab 16 Jahren und Geschlecht) Bürgerinnen und Bürger angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. Außerdem wurde die Einladung zur Veranstaltung über die Stadtrundschau veröffentlicht. Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten sich über diesen Weg auch anmelden. Zudem wurden alle Mitglieder des Plenums "Integration" und alle Teilnehmer/-innen des ersten Kommunalen Flüchtlingsdialogs eingeladen.
Wir gingen bei der Stichprobe, die das Einwohnermeldeamt erstellt, von einer Rücklaufquote von 3 Prozent aus (1000 Einladungen). Wir rechneten insgesamt mit einer Teilnehmerzahl von 80 bis 100 Personen. Eine Kinderbetreuung war vorgesehen.

Ziel der Veranstaltung war es, konkrete Handlungsschritte herauszuarbeiten, um den Zusammenhalt in Vielfalt auf kommunaler Ebene zu unterstützen. 

  • Einführung in den Abend von OB Christof Bolay
  • Input von der Moderatorin, im Anschluss "World-Café", Tischgespräche in 10er Gruppen, zwei Runden mit zwei Fragestellungen: "Was brauche ich, damit es mir im Zusammenleben mit anderen gut geht?" - Wie kann das in Ostfildern erreicht werden?  Begegnung - Beteiligung - Zukunft gestalten". 
  • Kurze Präsentation von drei wichtigen,  das Zusammenleben bzw. Beteiligung ermöglichenden Projekten: "Sei mein Nachbar", Eltern eins plus b, Dolmetscherpool. 
  • In der Zwischenzeit erster Überblick über Ergebnisse mit anschließender Zusammenfassung im Plenum von Andrea Koch-Widmann und dem Ersten Bürgermeister Rainer Lechner.
  • Ausklang mit internationalen Büffet

 

 

 

Was war in Ihrer Kommune der konkrete Anlass für die Durchführung eines Flüchtlingsdialogs? Welche Ausgangssituation fanden Sie vor?

Im Rahmen des ersten Kommunalen Flüchtlingsdialogs, der am 9. Juli 2016 stattfand, wurden konkrete Ziele und Handlungsschritte für eine gelungene Integration geflüchteter Menschen erarbeitet. In den Arbeitsgemeinschaften wurden bzw. werden diese Handlungsschritte umgesetzt.
Das Plenum "Flüchtlingshilfe" mit 7 Arbeitsgemeinschaften (AG) wurde infolgedessen auf alle Fragen der Migration und Zuwanderung in der Kommune erweitert, für alle interessierten Bürger geöffnet und in Plenum "Integration" umbenannt. Eine Gemeinderätin sowie geflüchtete Menschen nehmen seither in AGs teil.
Mit den neuen Ostfilderner Gespräche "Willkommen zum Gespräch:  Wie wollen wir zusammenleben?" möchten wir einen neuen Schwerpunkt setzen. Das Thema: "Vielfalt und Zuwanderung". Menschen aus 110 Nationen leben in unserer Stadt, mehr als ein Drittel der Bürger in Ostfildern hat internationale Wurzeln. Wir suchen Antworten auf folgende Fragen: Was bedeutet Zuwanderung für mich, für mein Umfeld? Was ist daran bereichernd, befremdlich? Wie wollen wir zusammenleben? Wie kann, wird, muss sich eine Zivilgesellschaft in einer Kommune verändern, damit ich in Vielfalt gut zusammenleben kann? 

Wer hat diese Aufgaben übernommen? Für welche Aufgaben haben Sie Beratungs- und Moderationsleistungen in Anspruch genommen?

Martina Rukavina, Netzwerk für progressive Kompetenzentwicklung (NPK) Stuttgart. Die Trainerin hat die Beratung und Moderation der Zukunftswerkstatt übernommen. Frau Rukavina beriet uns in folgenden Bereichen: Format der Veranstaltung, Organisation der Veranstaltung, Moderation des Tages, Nachbereitung, Auswertung und Verwertung der Ergebnisse.

Welche Themen wurden im Flüchtlingsdialog diskutiert und bearbeitet?

Einführung in Konzept 3R von Taiye Selasi (Frau Rukavina).
Ziel: gemeinsame Perspektivenbasis schaffen. Es geht nicht um das Trennende, sondern es sollte auf das Gemeinsame geschaut werden. Dann Diskussionen im World-Café an den Tischen (mit Tischpaten/Moderatoren seitens der Stadtverwaltung). Diskutiert wurde in zwei Fragen in verschiedenen Runden: Was brauche ich, damit es mir im Zusammenleben mit anderen gut geht? Was brauchen wir für ein gutes Zusammenleben in der Stadt - Wie kann Begegnung, Beteiligung, Zukunft gestalten erreicht werden? 

    Bitte nennen Sie die Teilnehmergruppen und die Anzahl der Personen, die an dem Flüchtlingsdialog teilgenommen haben.

    Teilnehmer: 122 (57w/ 65m) insgesamt 

    • Zufallsgenerator: 59 (48,4% v. 122 T.) (5,9 % v. 1000 Einladungen)
    • Persönliche Einladung: 30 (24,6% v. 122T.)
    • Teilnehmer ohne Anmeldung: 33 (27% v. 122 T.)

    Unter den Teilnehmern waren ehrenamtliche Dolmetscher sowie Geflüchtete.  

    • 16 Tischpaten/ModeratorInnnen seitens der Stadtverwaltung
    • Andrea Koch-Widmann, Integrationsbeauftragte
    • Nathalie Stengel-Deroide, Koordinatorin Flüchtlingshilfe
    • Jasmin Remmo, Studentin aus dem Bereich Integrations- und Flüchtlingshilfe
    • Martina Rukavina, Moderatorin
    • Erster Bürgermeister Rainer Lechner
    • OB Christof Bolay (ca. 1 Stunde)

     

     

     

    Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf der Dialogveranstaltung(en)? (Format, Struktur, Moderation, Transparenz, fairer und respektvoller Umgang, Informationsmaterial etc.)

    Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Dialogveranstaltung(en)? (Diskussionsqualität, Erkenntnisse, Ergebnisse, anderer Mehrwert etc.)

    Das Format des Bürgerdialogs (Ostfilderner Gespräche) mit den World-Café-Tischen (kleine Gruppen mit Tischpaten) hat den Teilnehmer/-innen eine größtmögliche Partizipation ermöglicht. Die Tatsache, dass fast alle TeilnehmerInnen bis zum Ende der Veranstaltung geblieben sind, ist ein Zeichen dafür, dass ein Dialog und ein respektvoller Umgang miteinander stattgefunden haben.
    Auch mit der Moderation waren wir sehr zufrieden. Allerdings hat sich gezeigt, dass es für die Geflüchteten im Asylverfahren (und somit geringen Deutschkenntnissen) trotz Dolmetscher nicht ganz einfach war, den sehr differenzierten Diskussionen zu folgen. Es hat sich gezeigt, dass die gewählte Veranstaltungszeit  - Freitag, ab 16 Uhr bis in den Abend - ein guter Zeitraum war. 

    Die persönliche Einladung vom OB mithilfe des Zufallsgenerators (BürgerInnen ab 16 Jahren, m/w) hat sich als überaus erfolgreich dargestellt. Es haben sich jenseits des statistischen Mittels ( ein bis drei Prozent bei 1000 Personen) weitaus mehr Menschen angemeldet : Anmeldungen insgesamt  154 (81 w/ 73m). Über den Zufallsgenerator: 97 (63% v. 154 T.) (9,7% v. 1000 Einladungen).
    Über persönliche Einladung seitens der Fachstelle Integration und Flüchtlingshilfe: 55 (35,7% v. 154 T.) Auffallend war auch: 28 Personen fühlten sich persönlich angesprochen, zeigten Interesse an dem Thema - mussten aber aus beruflichen oder Urlaubsgründen absagen. Absagen: 28 

    Die Auswertung zeigt: Es wurden über den Zufallsgenerator sehr viele BürgerInnen erreicht, die sich noch nie beteiligt hatten. Es wurde also ein ganz neuer Ausschnitt von BürgerInnen erreicht, die Interesse zeigten, sich am gesellschaftlichen Leben in der Stadt zu beteiligen. Die Diskussionsqualität war in den Arbeitsgruppen von Ideenreichtum und Respekt gekennzeichnet. 

    Nennen Sie drei wichtige Ergebnisse bzw. konkrete Maßnahmen, die im Flüchtlingsdialog erarbeitet wurden.

    Wie schätzen Sie die Wirkung des Flüchtlingsdialogs ein: Werden die Ergebnisse des Flüchtlingsdialogs in Ihrer Kommune zu weiteren Handlungen bei Akteuren aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft führen? Welche konkreten Schritte wurden dazu vereinbart?

    Unter den vielen Ergebnissen können folgende drei genannt werden: 

    • Das Angebot der Treffpunkte der Stadt, die es in allen fünf Stadtteilen gibt, zu überprüfen.  Gewünscht werden offene, niederschwellige  Angebote, um andere Menschen zu treffen.
    • Information und Öffentlichkeitsarbeit verbessern (Stadtrundschau und Homepage werden als nicht zeitgemäß eingeschätzt) 
    • Vereine werden als geschlossene Gesellschaften wahrgenommen. Große Hürde für Neubürger für Teilnahme,  andererseits klagen Vereine vielfach über Nachwuchssorgen.  

    Die Ostfilderner Gespräche sind der Auftakt der Bürgerbeteiligung zur Erarbeitung eines Integrationsplans. Die Ergebnisse/Dokumentation (beiliegend) werden in entsprechenden Gremien vorgestellt, Fragestellungen herausgearbeitet und Handlungsempfehlungen und Maßnahmen  erarbeitet. Zudem erhalten alle Teilnehmer an den Ostfilderner Gesprächen die Dokumentation mit der Bitte/dem Angebot, sich weiter zu beteiligen.
    Über die weitergehenden Schritte wird über einen Newsletter bzw. die Homepage und in der Stadtrundschau informiert werden. Eine weitere große Beteiligungsveranstaltung wird im kommenden Jahr geplant. 

    Für die Dokumentation dazu wenden Sie sich bitte an die o. g. Ansprechpartnerin.

    Wie hoch schätzen Sie die in Ihrer Kommune entstandenen Kosten für Organisation und Durchführung der Flüchtlingsdialoge ein? (Beratungs- und Moderationskosten, Sachmittel etc.)

    Stehen Aufwand und Ergebnis in einem guten Verhältnis?

    Die Beratungs- und Materialkosten belaufen sich auf 2.500,00 € (wird von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert).
    Die restlichen Kosten (Verpflegung, Raummiete, Materialkosten, Zufallsgenerator über Rechenzentrum) belaufen sich auf ca. 2.000,00 €. 
    Die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung wurden von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung mitgetragen.
    Der Aufwand und das Ergebnis stehen in einem guten Verhältnis.

    Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

    Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie, insbesondere auch im Hinblick auf die Rahmenbedingungen?

    Beim nächsten Bürgerdialog werden wir erneut den Zufallsgenerator einsetzen, um weitere Bürger direkt und persönlich anzusprechen (über eine OB-Einladung). Auch die Diskussion in sehr kleinen Tischgruppen wird wieder aufgegriffen werden.
    Überprüft werden muss der Einsatz von Dolmetschern.  

    Empfehlungen:

    • Den Zufallsgenerator einsetzen
    • Persönliche Einladung via OB-Brief 
    • Tischpaten bei Kleingruppendiskussionen 
    • Kleine Gruppen sehr gut, erleichtern Migranten die Beteiligung 
    • Zeitaufwand max. vier Stunden 
    • Gemeinsamer Ausklang (gemeinsam Essen)