Name der Stadt oder Gemeinde
Stadt Remseck am Neckar-> www.remseck.de

Einwohnerzahl
25.846

Landkreis
Ludwigsburg

Regierungsbezirk
Stuttgart

Name und Adresse der Kontaktperson für den Kommunalen Flüchtlingsdialog:
Jasmine Finckh

Stabsstelle Flüchtlinge

Fellbacher Str. 2

71686 Remseck am Neckar

Telefon der Kontaktperson
07146 / 289107

E-Mail der Kontaktperson
finckh@remseck.de

Bitte beschreiben Sie kurz die Zielsetzung, das Format und die methodische Umsetzung des Flüchtlingsdialogs.

Durchführung am 18.11.2016 von 17-21.00 Uhr und Samstag, 19.11.16 von 9-14.00 Uhr

Vorbereitungsgespräche am 12.08., 20.9., 12.10. und 11.11.2016

Zielsetzung: Wie leben und wohnen wir in Remseck am Neckar in Zukunft zusammen?

Format: Moderierte Veranstaltung mit einleitenden Informationen zum Grundgesetz, zur Flüchtlingssituation in Remseck am Neckar sowie szenischem Theater und moderierter Arbeit in zwei Themengruppen.

Was war in Ihrer Kommune der konkrete Anlass für die Durchführung eines Flüchtlingsdialogs? Welche Ausgangssituation fanden Sie vor?

Viele Flüchtlinge werden derzeit anerkannt. Sie suchen eine Wohnung. Dies ist eine schwierige Aufgabe für die ehrenamtlichen Betreuer,  für die Flüchtlinge aber auch für Nachbarn und Vermieter.

Auch bei Flüchtlingen, die eine eigene Wohnung gefunden haben, gibt es sehr viel positive aber auch einige negative Erfahrungen bei der Wohnungssuche und im Zusammenleben mit den Nachbarn. Diese Probleme / Herausforderungen gilt es zu benennen und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Hierbei ist vor allem das gegenseitige Verständnis für kulturelle Unterschiede, die Fähigkeit, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, die für das Gelingen des Miteinanders wichtig sind.

Wer hat diese Aufgaben übernommen? Für welche Aufgaben haben Sie Beratungs- und Moderationsleistungen in Anspruch genommen?

Externe Moderation und Beratung:

Frau Uta Altendorf-Bayha, Büro TRIALOG,

Auf der Stelle 8/1, 71067 Sindelfingen,

Büro: +49 7031 / 788301, www.buero-trialog.de

Interne Moderation und Beratung:

Claudia Peschen, Stadt Remseck, Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement, Neckarstraße 56, 71686 Remseck,  Peschen@remseck.de , Tel. 07146 / 2818026;

Amani Al Wazni, Arabische Ko-Moderation, Am Mühlkanal 23, 701890 Stuttgart

Welche Themen wurden im Flüchtlingsdialog diskutiert und bearbeitet?

Grundgesetz

Situation der Flüchtlinge in Remseck am Neckar, unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen und Nachbarschaft

Bitte nennen Sie die Teilnehmergruppen und die Anzahl der Personen, die an dem Flüchtlingsdialog teilgenommen haben.

1. Geflüchtete: 11 Personen

2. Vermieter:       4 Personen

3. Ehrenamtliche: 13 Personen

4. Remsecker mit ausländischen Wurzeln: 5 Personen aus Türkei, Iran, Irak

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf der Dialogveranstaltung(en)? (Format, Struktur, Moderation, Transparenz, fairer und respektvoller Umgang, Informationsmaterial etc.)

Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Dialogveranstaltung(en)? (Diskussionsqualität, Erkenntnisse, Ergebnisse, anderer Mehrwert etc.)

Sehr zufrieden (Überprüft anhand von Fragebogen!)

80% der Veranstaltung war ein Dialog auf Augenhöhe, sehr befördert auch durch die arabische Ko-Moderation.

Ein besonderes Highlight war ein humorvolles szenisches Anspiel einer Theatergruppe: „Duo courage“, die arabische und deutsche Gastfreundschaft bzw. Einladungen und Wohnungsbesichtigungen „spielten“ und die Teilnehmer, und zwar sowohl Flüchtlinge als auch Remsecker, ins Spiel mit einbezogen.

Die Diskussionen waren respektvoll und vom gegenseitigen Zuhören und „miteinander“ Reden geprägt. Entschleunigt durch die Übersetzung, aber stets sehr sachlich, fundiert und auf Augenhöhe.

Die Rückmeldung war absolut positiv. Es entstand ein starkes Verständnis für einander, bei den Deutschen gab es Erkenntnisse über Arabische Sitten und Gebräuche und bei den Geflüchteten Erkenntnisse für die Deutsche Kultur.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass ein solcher Dialog nötig ist und dass es das richtige Format war.

Die Umsetzung der Ergebnisse muss jetzt noch erfolgen. Hierzu ist das Ergebnisprotokoll die notwendige Grundlage.

So nicht geplant, aber sehr wichtig, war ein von den Flüchtlingen vorgebrachtes Thema: die Rolle des Mannes und der Frau in Familie und Gesellschaft. Dies führte zu wichtigen Erkenntnissen für die Zuweisung von Wohnungen und das Zusammenleben. Ebenso die Idee der arabischen Rolle des „Wohnungsvermittlers“, den es so in Deutschland nicht gibt.

Durch gute Moderation kam der Dialog auch sehr gut in Fluss, so dass das geplante Ende nicht eingehalten sondern deutlich „überzogen“ wurde.

Nennen Sie drei wichtige Ergebnisse bzw. konkrete Maßnahmen, die im Flüchtlingsdialog erarbeitet wurden.

Wie schätzen Sie die Wirkung des Flüchtlingsdialogs ein: Werden die Ergebnisse des Flüchtlingsdialogs in Ihrer Kommune zu weiteren Handlungen bei Akteuren aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft führen? Welche konkreten Schritte wurden dazu vereinbart?

 Allgemein:

  • Erhöhung interkultureller Kompetenz von Ehrenamtlichen und Geflüchteten
  • Wissen über Stellung der Rolle von Frau und Mann in der Familie und Gesellschaft
  • Wissen über arabische und deutsche Wohnungssuche (Unterschiede)
  • Weiterführen des Dialogs
  • Weiterführen von Alltagskonversation (im Gegensatz zum Sprachkurs)
  • Flüchtlinge wollen sich aktiv einbringen
  • Installation eines Flüchtlingsrats
  • Grundsatz: Keine Vorzugsbehandlungen der Flüchtlinge: alle Menschen sollen gleich behandelt werden.

  Dazu konkrete Maßnahmen:

  • 2-4 wöchiges Treffen im Ortsteil Hochberg um eine Koch-Spiel-Diskussionsgruppe zu beginnen. Teilnehmer sollen bevorzugt Flüchtlinge der Anschlussunterbringung und Remsecker Nachbarn sein. Initiative geht dabei von Geflüchteten aus. (nicht von Ehrenamtlichen)
  • Kuchenverkauf am Lise-Meitner-Gymnasium und E-Center (Flüchtlinge und Ehrenamtliche zusammen)
  • Idee: Deutsch-Arabisch-Kurs
  • Idee: Studenten als Sprachpaten gewinnen
  • Hilfe von Flüchtlingen für Flüchtlinge organisieren (Sprache, Behörden, Alltagsfragen…)
  • Kinder in Sportvereine bringen (oder auch in andere Gruppen z. B. Musikverein)
  • Haus der Jugend soll Jugendliche direkt ansprechen und einbinden
  • Tagesmütter (Kontakt…)
  • Patenschaften für Flüchtlingsfamilien (ein Pate – eine Familie)
  • Information über kulturelle Gepflogenheiten, „Interkultureller Kompetenz“ – Führerschein (für alle Flüchtlinge und für Remsecker)

 Maßnahmen Ehrenamt und Stadt gemeinsam

  • Erstes Kennenlernen mit der Nachbarschaft, unterstützt durch die Stadt bzw. den Paten
  •  „Training“ für Flüchtlinge in Alltagssituationen durchführen
  •  Get-together-Party für Flüchtlinge und Nachbarn organisieren
  •  Entwickeln eines Baukastentools: Verzeichnis für Referenten und Informationen zu speziellen Themen, z. B. Kulturelle Vielfalt (über Landeszentrale für politische Bildung)
  • Tauschbörse: Geflüchtete wollen ihr Wissen/Arbeit einbringen gegen Dialog und Alltagsgespräche oder Hilfe bei der Wohnungssuche „tauschen“
  • Verbesserung des Umzugsmanagements, dabei vielfältige Aufgaben für alle Beteiligten:
    • von Seiten der Stadt: Mindeststandards in Wohnung und bei Umzug
    • von Seiten der Ehrenamtlichen: Zugehen auf Hausgemeinschaft…
    • von Seiten der Geflüchteten: Vorstellen, Kontaktaufnahme.

Wichtig ist das „Vorbereiten der Hausgemeinschaft“ Feststellung: „nicht informieren ist das Schlechteste“.

Wie hoch schätzen Sie die in Ihrer Kommune entstandenen Kosten für Organisation und Durchführung der Flüchtlingsdialoge ein? (Beratungs- und Moderationskosten, Sachmittel etc.)

Stehen Aufwand und Ergebnis in einem guten Verhältnis?

 4500€

Moderation:           3094€

Ko-Moderation:        300€

Theatergruppe:        420€

Zusätzlich:

Catering                         300€

Miete Haus der Bürger  300€

Moderationsmaterial      100€

Mitarbeiter Frau Peschen, Frau Finckh

 ja!

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie, insbesondere auch im Hinblick auf die Rahmenbedingungen?

In der Gruppenphase würden wir zwei Übersetzer engagieren.

Trotz fortgeschrittener Deutschkenntnisse der Geflüchteten war die arabische Übersetzung sehr wichtig und müsste in beiden Gruppen stattfinden.

Der 20-minütige Beitrag (Vortrag) Grundgesetz muss anders gestaltet werden. Gemeinsame Erarbeitung anhand des Flyers wäre besser gewesen.

Noch mehr Zeit für den Dialog? Schwierig, da auch die Zeit der Ehrenamtlichen begrenzt ist.

Mehrere Dialoge im Zusammenhang aufeinanderfolgende planen: 2 halbe Tage reißen viel an: die Fortführung des Dialogs muss gesichert werden.